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Projekte der Abteilung Ur- und Frühgeschichte
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Aktuelle Projekte :: AlpenraumDer Übergang Mesolithikum-Neolithikum im nördlichen voralpinen Raum. Gebrauchsspuren-Analyse von Silexartefakten und evolutionäre «chaîne opératoire»

Arconciel/La Souche, Kt. Fribourg, CH (Bild vergrössern)
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Abstract: Das Projekt erforscht die wirtschaftlichen, sozialen und kognitiven Entwicklungen des Boreal und frühen Atlantikums in Zentraleuropa durch die technologischen Prozesse. Die Gebrauchspuren-Analyse des lithischen Materials vom Fundort Arconciel/La Souche und die damit verbundenden «chaîne opératoire»-Studien spielen dabei eine zentrale Rolle.
In der Regel wird in Zentraleuropa eher nach dem Prozess der Verbreitung von Domestizierung und Landwirtschaft gefragt als nach ihrer Entstehung. Die Theorie, dass sich das Neolithikum von Südosten nach Nordwesten über ganz Europa verbreitete, stimmt nicht mehr mit den heutigen Daten überein und ist zu vereinfacht. Vielmehr gab es komplexe Szenarien von sich wiederholendem Austausch und Verkehr von Ideen, Menschen und Gütern in alle Richtungen (z.B. Gehlen 2006).
In den letzten Jahren wurden immer mehr archäologische Hinweise auf vor-neolithische Landwirtschaft publiziert. So gibt es Anzeichen für den Kontakt zwischen der mesolithischen Bevölkerung in Zentraleuropa und landwirtschaftlichen Gesellschaften in Südosteuropa. Auch gibt es «neolithische» Funde in mesolithischen Fundstellen – z.B. die Steinäxte von Jägershöhle (D), die Mahlsteine in den spätmesolithischen Schichten von Henauhof NW (D) oder das Tonsiegel aus Arconciel/La Souce. Makrobiologische Reste von Zerealien die vor das Neolithikum datieren fehlen bisher, aber über die palynologischen Beweislage wird rege diskutiert. In Bohrkernen in ganz Zentraleuropa wurden in vorneolithischen Horizonten einzelne Cerealia T. Pollen gefunden. Oft werden sie begleitet von Apophyten wie Plantago lanceolata. Nur ab 5400 – 5000 calBC gibt es eindeutige Hinweise auf Landwirtschaft, aber sie werden nicht von allen Forschern akzeptiert (mehr Infos: Tinner et.al. 2007).
Ziel meiner Studie ist zweierlei. Erstens die oben erwähnten Fragen zur frühesten Landwirtschaft aus einem neuen Blickwinkel – der Gebrauchsspuren-Analyse - zu untersuchen. Zweitens sollen die sozialen, wirtschaftlichen und kognitiven Entwicklungen die zwischen 7000 und 5000 calBC stattfanden besser verstanden werden. Dazu wird eine Kombination von Gebrauchsspuren-Analyse von Silexartefakten und eine Anwendung evolutionärer «chaîne opératoire» verwendet.
Als Grundlage wird das Material der Fundstelle Arconciel/La Souche (Kt. Fribourg, CH) dienen. Der Abri Arconciel/La Souce wird seit seiner Entdeckung 1998 von M. Mauvilly und seinem Team der S.A.F. (Service Archéologique de l´État de Fribourg) ausgegraben. Es wurden mehrere Benutzungsphasen festgestellt, die ins späte und terminale Mesolithikum datieren (zwischen 6780 calBC und 5640 calBC). Die einzelnen Nutzhorizonte sind gut datiert und äusserst fundreich. Literatur: Mauvilly 2005 und Webpage von Arconciel/La Souche.
Ich werde die Gebrauchsspuren-Analyse «pragmatisch» anwenden (Smith 2007). Hierbei handelt es sich um einen vorsichtigen Ansatz bei dem weniger Gewicht auf der genauen Identifikation des bearbeiteten Materials liegt. Vielmehr wird gefragt ob ein Artefakt überhaupt gebraucht wurde, und wie und wann in seiner Ontogenese. Die archäologischen Artefakte werden dazu auch mit experimentell hergestellten Steinartefakten verglichen.
Zusammen mit einer evolutionären «chaîne opératoire» wird diese Methodologie mir erlauben mich von traditionellen Typologien wegzubewegen und stattdessen Artefakte in allgemeine funktionelle Gruppen zu unterteilen (Smith 2007) und mich auf ihre Ontogenie zu konzentrieren (Riede 2006). Da das Material von Arconciel/La Souche so fein datiert und stratigrafiert ist, sollte es auch möglich sein phylogenetische Aspekte der borealen und frühatlantischen Technologie zu untersuchen. Dies kann anhand der «kulturellen DNA» (Riede 2006: 63) und der Gebrauchsgeschichte der Artefakte getan werden. Eine solche Methode macht es möglich Interpretation auf einem Inter- und Intra-Fundortniveau durchzuführen. Die Resultate der Gebrauchspuren-Analyse können ausserdem in die restliche lithische Analyse integriert werden. So können z.B. auch der Produktionsprozess, die räumliche Organisation des Fundorts, Zweit- oder Mehrfachnutzungen der Artefakte, post-depositionelle Prozesse und boreale und frühatlantische Entscheidungsprozesse untersucht werden (Smith 2007). Auch temporale, räumliche und soziale Aspekte der Produktion und Technologien können so angesprochen werden (Riede 2006) und helfen die wirtschaftlichen, sozialen, kognitiven und technologischen Entwicklungen – die «Neolithisierung» – zu verstehen.
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Projektrahmen: SAEF - Service Archéologique de l´État de Fribourg
Verantwortung:
Marcel H. F. Cornelissen, MA, BA Hon
Partner: M. Mauvilly & F. McCullough, Service Archéologique de l´État de Fribourg
Dauer: 2008 bis 2012 |  Experimentell hergestellte und benutzte Kratzer (lithische Artefakte hergestellt von M. Mauvilly) (Bild vergrössern)
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Publikation(en):
Gehlen, B., 2006, Late Mesolithic – Proto-Neolithic – Initial Neolithic? Cultural and economic complexity in southwestern Central Europe between 7000 and 5300 calBC, in Kind, C.-J. (ed.), After the Ice Age: Settlements, Subsistence and Social Development in the Mesolithic of Central Europe, Stuttgart, Konrad Theiss, pp. 41-57. :: Mauvilly, M., 2005, L’abri d’Arconciel-La Souche (FR), un site exceptionnel du Mésolithique récent et final, in AS 28/1, pp. 40-41. :: Riede, F., 2006, Chaîne Opératoire – Chaîne Evolutionaire. Putting Technological Sequences in Evolutionary Context, in Archaeological Review from Cambridge 21(1), pp. 50-75. :: Tinner, W., Nielsen, E. and Lotter, A. F., 2007, Mesolithic agriculture in Switzerland? A critical review of the evidence, in Quaternary Science Review, Vol. 26; 9-10, pp. 1416-1431. :: Smith, S., 2007, The use wear analysis of chipped stone points, in Finlayson, B. & Mithen, S. (ed.), The early prehistory of Wad- Faynan, southern Jordan: Archaeological survey of Wadi Faynan, Ghuwayr and al-Bustan and evaluation of the Pre-Pottery Neolithic A site of WF-16, Oxford, Oxbow Books, pp. 284-319.
Keyword(s):
Silex ::
Use wear analysis ::
chaîne opératoire ::
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Mesolithic ::
Neolithic ::
Weiterführende Links: http://www.fr.ch/sac/article/arsou/index.htm ::
http://www.hazelnutrelations.wordpress.com ::
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